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SEE! Performance
PASSING BY, Kunsthaus Essen, geplant am 17.05.2020,
THE AUDIENCE IS PRESENT, Kunstverein Ruhr, geplant am 23.05.2020,
werden verschoben auf das nächste Jahr 2021

Das ursprünglich für Mai 2020 geplante Performance-Projekt zwischen dem Kunsthaus Essen, dem Kunstverein Ruhr und dem Performance-Kollektiv SEE! muss aufgrund der Einschränkungen von öffentlichen Veranstaltungen im Rahmen der Corona-Pandemie leider auf das nächste Jahr verschoben werden.

Dennoch möchten die Kooperierenden allen Kunstinteressierten mit den nachfolgenden Darstellungen einen ersten Einblick in die Inhalte und Ausrichtungen des Projektes bieten, in der Hoffnung, dass wir damit bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen spannenden Ausblick auf das nächste Jahr bieten können.

Das geplante Performance-Projekt versteht sich als zukunftsweisendes Modellvorhaben für eine inhaltlich motivierte Kooperation von zwei renommierten Essener Kunstorten und dem Performance-Kollektiv SEE!. Mit dem geplanten Projekt und dem Auftreten der Performerinnen und Performer an zwei sehr unterschiedlichen Orten sollen die besonderen Möglichkeiten und Wirkungsmechanismen performativer Sprachen ausgelotet und durch den unmittelbaren Einbezug des Publikums auf eindrückliche sinnliche wie körperlich spürbare Weise erfahrbar gemacht werden.

Das für das Kunsthaus Essen und den Kunstverein Ruhr konzipierte Projekt zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass in ihm die Grenzen zwischen Performer*innen und dem Publikum tendenziell aufgehoben werden. Im Rahmen performativer Aktionen werden bewusst Situationen inszeniert, in denen die Gültigkeit gängiger Rollenverteilungen und -erwartungen zwischen Akteuren und Zuschauern aber auch die Trennungen zwischen aktiver Vorführung und passivem Konsum sowie zwischen Kunst und Alltag im Ansatz aufgehoben und unterlaufen werden.

Durch bewusste choreographische Einbindungen, Gesten, Blicke, gesprochene Statements und gemeinsame Bewegungs- und Handlungsverläufe werden vor Ort Parabeln geschaffen für Begegnungen, Kontaktaufnahmen, überraschende Übereinkünfte, bis hin zum Aufscheinen von Perspektiven für ein gemeinsames Handeln. Alles dies geschieht in der Offenheit einer das Publikum aktiv einbeziehenden Life-Performance.

Dabei geht es nicht darum, Kunst und Leben deckungsgleich zu machen, sondern gegenseitige Berührungen und Beeinflussungen beider Bereiche im Hinblick auf eine (vielleicht noch in weiter Ferne liegende) gesellschaftliche Übereinkunft zu stimulieren, welche sich hier auf symbolischer Ebene darstellt.


Fotos: 1. © Dora Cohnen, 2.-4. © Christian Kniep

Räume und performative Sprachen
KUNSTHAUS ESSEN – Passing BY

Das Kunsthaus Essen und der Kunstverein Ruhr gehen bei dem geplanten Projekt ortsbedingt von unterschiedlichen Voraussetzungen aus.

Im Kunsthaus, einem ehemaligen Schulgebäude, gelegen im Essener Süden, werden die Performerinnen und Performer zu Akteuren innerhalb des regulären Ausstellungsbetriebes und seiner spezifischen Inszenierungen.

Für die Galerieebene im ersten Obergeschoss des Kunsthauses Essen ist eine Ausstellung mit Arbeiten des Berliner Künstlerduos Thomas & Renée Rapedius geplant. Im wechselseitig geführten Dialog erarbeitet das Künstlerduo Werke, die oftmals auf Formen der Natur, auf Landschaften als eine Ansammlung von Zeichen und Symbolen verweisen. Kennzeichen ihrer Arbeiten sind die formalen Ähnlichkeiten und Bezüge zu Flora und Fauna, Geologie und Architektur, Körper und Dinge. Die Künstler decken überraschende Verwandtschaften auf und arrangieren ihre Arbeiten in wechselnden Ausstellungszusammenhängen, um so eine spezielle "Dramaturgie, eine Choreographie für die Bewegung und die Blicke der Betrachter" zu entwerfen. Jede Ausstellung gleicht somit einer Art Forschungsreise auf der Suche nach einem Zusammenhang der sichtbaren Formen, nach deren Genese in der äußeren Natur wie in der inneren Natur der Wahrnehmung.

Parallel zu diesem Ausstellungsparcour mit seiner bildkünstlerischen Sprache entwickeln die Performerinnen und Performer während der Vernissage – in enger Abstimmung mit Thomas & Renée Rapedius - interaktive Dialoge mit den Besucherinnen und Besuchern, die während und durch die Performance nicht mehr nur passive Betrachterinnen und Betrachter der Kunst, Zuhörerinnen und Zuhörer der Eröffnungsrede bleiben, sondern zu Akteuren eines für sie offenen Geschehens werden, das sich über mehrere Räume des Ausstellungsortes und darüber hinaus erstreckt. Die performativen Aktionen auf der einen Seite und die mit skulpturalen Raumkörpern besetzte Ausstellung auf der anderen Seite greifen in gewisser Hinsicht zwar ineinander, beide künstlerischen Inszenierungsformen sind jedoch als unabhängig voneinander gedachte, eigenständige Kunstwerke zu verstehen, die sich in verschiedenen Räumen entwickeln. So ist geplant, dass sich die Aktionen der Performerinnen und Performer über den eigentlichen Ausstellungsbereich hinaus in Übergangssituationen wie Treppenhäusern, Fluren, etc. hinweg ausbreiten und entwickeln. Die Performance erweitert dabei die statische Körper-Raum-Achse und setzt transitorische Bezugspunkte durch Präsenz. Die körperliche Anwesenheit der so agierenden initiiert die Wahrnehmung von Zwischenräumen und lässt transitorische Zustände unmittelbar erfahrbar werden.

Angrenzend an den Galeriebereich befindet sich ein weiterer Kabinett-Raum, der während der Performance mit einem blauen Teppich bestückt, ansonsten aber bewusst leer belassen ist. In dieser sparsamen Inszenierung fungiert der Raum als Ort performativen Handelns und als Begegnungsort mit dem Publikum. Zwischen allen Akteuren entwickeln sich hier temporäre, „transitive“ und im plastischen Sinne interaktive Situationen. Besucherinnen und Besucher werden zum lebendigen Teil einer sich wandelnden Installation, in der Kunst, aber auch die mit Kunst verbundenen Ausstellungsrituale und Verhaltensweisen interferieren.

KUNSTVEREIN RUHR – THE AUDIENCE IS PRESENT
Performance im öffentlichen Raum

Der Kunstverein Ruhr zeichnet sich nicht nur durch seine zentrale innerstädtische Lage, sondern auch durch ein frontales Schaufenster aus, das den Ausstellungsraum zum Kopstadtplatz hin öffnet und auch während der Abend- und Nachtstunden einsehbar macht. Dieser Raum wird über einige Zeit im Vorfeld der Performance durch den flächendeckenden blauen Teppich als Ort der Kunst und Terrain für die Performance gekennzeichnet. Hier wird das temporäre Geschehen performativen Handelns selbst zur Ausstellung.

Diese an die Minimal Art erinnernde Setzung markiert einerseits den Ort als Kunstort, öffnet ihn andererseits aber auch optisch dem alltäglichen innerstädtischen Geschehen. Diese Öffnung soll auch während der eigentlichen interaktiven Performance im Mittelpunkt stehen. Der Ausstellungsraum wird einerseits für zufällige Passanten und informierte Gäste betretbar, die auf diese Weise Teil des Geschehens werden. Andererseits werden die Performerinnen und Performer die Grenzen zwischen Kunstraum und Realraum aktiv überwinden und sich unter die Passanten des Platzes mischen.

Vor den Augen der Betrachtenden und zufälligen Passanten formieren sich Szenen möglicher Versammlungen. Ein Unfall, ein Sitzstreik, ein Zirkel oder ein Protest. (?) Kunst und Leben sind bisweilen ununterscheidbar. Die Performerinnen und Performer bewegen sich gemeinsam auf einer Fläche. Sie teilen den Raum ohne Bühne oder sonstige ästhetischen Grenzziehungen mit ihrem Publikum. Mit Betreten des Galerieraumes werden auch die Besucherinnen und Besucher wie von selbst zu Teilen dieser Live-Installation. Und wenn sich die Glastür neben dem Schaufenster öffnet, die Akteure den blauen Teppich in Richtung Kopstadtplatz verlassen, vermag sich diese Interaktion in Ihrem Ansatz zur Innenstadt hin zu erweitern. Diese Offenheit, das implizit Unvorhersehbare des Vorgangs stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit.

Mit THE AUDIENCE IS PRESENT thematisiert SEE! im übertragenen wie auch im wörtlichen Sinne den Raum zwischen Zuschauenden und Akteuren, zwischen Kunst und Leben. Zwischen Ausstellungsraum und Innenstadt. Und dieser Raum wird dabei auf der symbolischen Ebene der Kunst als veränderbar, durchdringbar und durchaus auch durch Menschen formbar zur Darstellung gebracht.

An beiden Veranstaltungsorten dieser bemerkenswerten Kooperation zwischen Kunsthaus Essen und Kunstverein Ruhr werden die Betrachterinnen und Betrachter, Passantinnen und Passanten nicht nur zu Zeugen, sondern auch zu Teilhabern eines interaktiven, nach außen hin offenen Geschehens. Die Performances thematisieren und besetzen den Raum zwischen Zuschauenden und Agierenden, zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, zwischen dem Eigenen und dem Anderen und werden damit zu bewussten Parabeln transformatorischer Vorgänge innerhalb unserer Gesellschaft.

Weitere Informationen:

Das Performance-Projekt wird gefördert durch die Kunststiftung NRW.

 

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